Fliegerbomben / Blindgänger
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Gefahr durch Fliegerbomben… - was wir für Sie tun können

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Über 130 Mal hatten die Kampfmittelräumdienste der Länder von Mitte 2012 bis Mitte 2013 mit blindgegangenen alliierten Sprengbomben zu tun. Mindestens drei schwere Unglücke mit zusammen fünf Toten in den letzten Jahren verdeutlichen die enorme Gefahr, die von diesen Objekten noch immer ausgeht. Aschaffenburg, Göttingen, München und zuletzt Euskirchen verdeutlichen die Auswirkungen einer Explosion. In vielen Fällen handelt es sich um "Zufallsfunde".

Doch sind diese Funde wirklich so "zufällig" und steht man ihnen machtlos gegenüber? Und wer haftet bei einem Unfall? Im Folgenden finden Sie Informationen, was ein Bauherr tun kann bzw. tun muss, um Schadensersatzansprüche oder gar strafrechtliche Folgen auszuschließen. Der erste Schritt zur Abklärung eines Blindgängerverdachts ist stets die Luftbildauswertung. Damit lassen sich zwar nur in den seltensten Fällen Blindgänger direkt ausmachen, dafür können aber bombardierte von nicht bombardierten Bereichen abgegrenzt werden. Auf bombardierten Flächen ist automatisch Kampfmittelverdacht gegeben.

 

Arbeit- wie Auftraggeber haben nach Arbeitsschutzrecht Schutzpflichten gegenüber ihren Mitarbeitern bzw. dem ausführenden Unternehmen (Mitverantwortung des Bauherrn). Hierzu gehört das Baugrundrisiko mit dem darin eingeschlossenen Risiko "Kampfmittel".

Nach Baustellenverordnung und Arbeitsschutzgesetz müssen alle Arbeiten nach dem Stand der Technik geplant und ausgeführt werden, damit Gefährdungen für Leben und Gesundheit vermieden werden. Hierfür ist eine Sicherheitsplanung erforderlich. Im Vorgriff einer Baumaßnahme in einem Gebiet mit Kampfmittelverdacht muss deswegen eine Ortung von Kampfmitteln nach dem Stand der Technik durchgeführt werden. Zu den möglichen Verfahren zählen die Geomagnetik (passiv), die Elektromagnetik (aktiv) und das Georadar. Die Messungen können prinzipiell von der Oberfläche aus oder in vertikalen bzw. in horizontalen Bohrlöchern durchgeführt werden. Ggf. kann auch eine computergestützte Aufzeichnung des Baufeldes mittels Geomagnetik und anschließender Überprüfung relevanter Anomalien sinnvoll bzw. Kosten sparend sein.

In Ausschreibungen findet sich häufig die Position: "Kampfmittelfreimessung, pauschal". Dies ist Nonsens, da ohne detaillierte Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten nicht beurteilt werden kann, ob das Verfahren – gemeint ist die Oberflächensondierung mittels Geomagnetiksonde - überhaupt anwendbar ist. Stattdessen muss zunächst ein Konzept für die technische Kampfmittelerkundung beauftragt werden. Welches Verfahren Erfolg versprechend ist, hängt von den örtlichen Bedingungen und der Aufgabenstellung ab. Von ausschlaggebender Bedeutung hierfür sind das Bauvorhaben, die Art des Eingriffs in den Untergrund, die erforderliche Freigabetiefe, die Untergrundverhältnisse (Auffüllungen, Geologie), die zu erwartende Tiefenlage des Bombenhorizontes und die örtlichen Störeinflüsse (Versiegelungen, Armierungen, Gleisanlagen, Leitungen, Auffüllungen).

Die ATV DIN 18323 "Kampfmittelräumarbeiten", die 2012 in die VOB neu aufgenommen wurde, legt klar fest, dass eine "baubegleitende Kampfmittelsondierung" nur durchgeführt werden darf, wenn die örtlichen Verhältnisse so schwierig sind (Bauwerksreste, künstliche Auffüllungen mit hohen ferromagnetischen Anteilen, dichte Leitungsnetze), dass nach dem Stand der Technik keine "Freimessung" möglich ist.

Bei der „Baubegleitenden Kampfmittelsondierung“ wird eine Baustelle automatisch zur "Räumstelle". Der Aushubbereich wird von einer nach §19 SprengG Verantwortlichen Person zunächst mittels Sonde vorsondiert. Treten keine Anomalien auf, so wird der Boden schichtenweise gelöst. Danach sind Sohlen und Ränder der Grube erneut zu sondieren. Gegebenenfalls auftretende größere Anomalien sind zu bergen. Die Verantwortliche Person allein entscheidet, in welcher Dicke der Boden abgezogen werden kann. Im Vorgriff muss sie eine Arbeits- und Sicherheitsanweisung erstellen, die alle während der Sondierarbeiten anfallenden Arbeiten berücksichtigt. Diese ist mit allen beteiligten Unternehmen und dem Auftraggeber abzustimmen. Die Verantwortliche Person hat Weisungsbefugnis gegenüber den Beschäftigten aller Unternehmen, die im Gefahrenbereich tätig sind. Generell ist jede Arbeitsstelle mit einem Räumpaar zu besetzen.

Wer statt der "Baubegleitenden Kampfmittelsondierung" eine einfache Bauaushubüberwachung beauftragt, macht sich strafbar, denn dieses Vorgehen stellt weder den Stand bzw. die allgemein anerkannten Regeln der Technik dar noch ist es mit einer vernünftigen Sicherheitsplanung vereinbar: Einerseits sind die Chancen der Verantwortlichen Person, rechtzeitig auf eine konkrete Gefahr zu reagieren, bei dieser Vorgehensweise gering. Andererseits ist eine visuelle Begleitung eines Aushubs durch eine einzelne Person über 8 bis 10 h in der gebotenen lückenlosen hochkonzentrierten Form aus medizinischen Gründen nicht möglich. Im § 319 Strafgesetzbuch heißt es hierzu: "Wer bei der Planung, Leitung oder Ausführung eines Baues ... gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik verstößt und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft".

Bomben in Bauschuttaufbereitungsanlagen, wie aktuell in Euskirchen, traten in den letzten Jahren vermehrt auf. Sie sind zweifellos ein Unding und zeugen von allzu nachlässigem Umgang mit dem Problem von Bombenblindgängern auf kampfmittelbelasteten Baustellen. Ein Umdenken muss zeitnah erfolgen, damit nicht weitere Menschen ihr Leben verlieren. Hierbei ist jedoch nicht "schnell und billig gefragt" gefragt, sondern Know How.

 

Wie hilft die LGA-IUA?

Die LGA-IUA wertet Luftbilder aus, erstellt Konzepte zur technischen Kampfmittelräumung und betreut bei Bedarf auch Baumaßnahmen. Die LGA-IUA besitzt die Erlaubnis für den Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen (§7 SprenG). Wir arbeiten darüber hinaus mit externen Verantwortlichen Personen (§19 SprenG) bzw. Fachkundigem Aufsichtspersonal in der Kampfmittelbergung (§20 SprengG) zusammen. Hierbei handelt es sich um Menschen unseres Vertrauens, denn wir legen unser Schicksal nicht in die Hände des billigsten Bieters. Unser Ansprechpartner Alexander Schwendner ist seit annähernd zehn Jahren Gast und Referent auf der jährlichen Fachtagung "Kampfmittelbeseitigung" des Bundes Deutscher Feuerwerker und Wehrtechniker in Bad Kissingen. Technische Erkundungsverfahren bei der Blindgängerortung sind eines der Hauptthemen auf diesem europaweit ausgerichteten Treffen. Sie können daher sicher sein, dass die LGA-IUA über stets topaktuelles Know-How verfügt.

 

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