Eigentlich sollten die Bierkeller des oberfränkischen Stollensystems nach dem bewährten Verfahren untersucht werden: eine ingenieurgeologische Begutachtung der Felsqualität zusammen mit einer Detailvermessung der Stollen und der Geländeoberfläche zwecks Bestimmung der Deckung. Werden die Daten verschnitten, lässt sich die Standsicherheit der Stollen fundiert beurteilen. Was aber tun, wenn die Stollen aus Sicherheitsgründen gar nicht erst begehbar sind?

Bei der Übersichtsbegehung der rund zwanzig Bierkeller zum Projektstart stellte sich schnell heraus, dass eine Alternative zur herkömmlichen, fußläufigen Begehung hermusste. Projektleiter Joschka Wischer wies in insgesamt sechs Kellern einige Bereiche aus, die weder von den Geologen noch von den Vermessern sicher betreten werden konnten. Tonnenschwere, abgeklüftete Blöcke an der Firste und zahllose bereits abgestürzte Blöcke an der Sohle zeugten von akuter Blocksturzgefahr bzw. rezenter Sturzaktivität. Eine Untersuchung und Vermessung dieser Abteile war fußläufig nicht vertretbar, jedoch gerade im Hinblick auf die Standsicherheitsbeurteilung relevant. In anderen Abteilen wurden zudem so viele sperrige Dinge gelagert, dass eine Begehung stark erschwert wurde und sehr zeitaufwändig gewesen wäre.

Die Lösung: Befliegung der gefährdeten Abteile mit einer Drohne. Geschützt durch einen Käfig filmte und scannte die Drohne in ein bis zwei Flügen pro Keller die relevanten Abteile. Mit Aufbau, Abbau und Wechsel der Akkus, die etwa 5 Minuten halten, belief sich der Aufwand pro Keller auf rund einer halben Stunde, je nach Größe der gesperrten Bereiche.

Eine besondere Herausforderung stellte der Empfang der Drohne im unterirdischen Stollensystem dar. Dieser wurde über einen kabelgebundenen Transmitter erhöht, der so weit wie möglich in das Stollensystem getragen und teilweise zusätzlich mit Stäben durch Gefahrenstellen hindurch geschoben wurde. Jeder gewonnene Meter lohnt sich, denn der Empfang bricht bei zu staken Kurven der Gänge oder bei zu starker Verzweigung der Stollen ab.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Hochaufgelöste Punktwolken, die die Geometrie des Stollens abbilden und sogar Trennflächen erkennen lassen, sowie mehrere Stunden Videomaterial, aus dem die unzugänglichen Kellerbereiche kartiert werden können. Das Pilotprojekt „Drohnenbefliegung im Bierkeller“ kann als Erfolg verbucht werden.

