Ende Februar 2026 erkundeten die LGA-Sachverständigen Ira Stassinopoulos, Tobias Gebhard und Michaela Kukuk eine stillgelegte Wurfscheibenschießanlage. Die Anlage liegt versteckt am Rand eines kleinen Tals, das von einem Bach durchflossen wird. Doch der idyllische Eindruck täuscht – unter Laub und Moos finden sich noch Spuren der früheren Nutzung.
Was ist eigentlich eine Wurfscheibenschießanlage?
Auf solchen Anlagen üben Sport- oder Jagdschützen das Schießen auf bewegliche Ziele in freier Natur. Mit der Flinte und Schrotmunition wird auf in die Luft geschleuderte Wurfscheiben aus Ton (früher „Tontauben“) gezielt. Die Wurfmaschine katapultiert die flachen Scheiben in die Luft und bei einem Treffer zersplittern sie. Dabei gelangen sowohl Schrotkugeln als auch die Tonscherben in den Boden.


Warum können Rückstände im Boden zum Problem werden?
Obwohl die Anlage längst außer Betrieb ist, verbleiben im Boden Rückstände der früheren Nutzung. Die damals üblichen Bleischrote enthalten neben Blei auch Antimon und Arsen – Stoffe, die als Gefahrstoffe gelten und Mensch sowie Umwelt gefährden können. Heute werden Bleischrote überwiegend durch umweltfreundlichere Stahl- oder Weicheisenschrote ersetzt.
Die Tonscheiben wiederum können polyzyklische aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten, da früher bei ihrer Herstellung Steinkohle- oder Erdölpech als Bindemittel verwendet wurde. Einige Einzelstoffe dieser Stoffgruppe gelten als krebserregend.
Im Laufe der Jahre können sich Blei, Antimon, Arsen und PAK im Boden anreichern und durch Niederschläge mobilisiert werden. Über das Sickerwasser können sie ins Grundwasser gelangen. Wie groß die konkrete Gefährdung ist, hängt von der Nutzungsgeschichte und den geologischen Bedingungen bzw. der Pufferkapazität des Bodens am Standort ab.


Wie lief die Erkundung vor Ort ab?
- Auspflocken von 4 Kartierlinien à 100 m Länge
- Schätzung des Schrotkugelbesatzes an jeweils 10 Stellen pro Kartierlinie
- Kartierung des Niederschlagsbereichs der Wurfscheibenscherben
- Abteufen von 5 Handbohrungen inkl. Profilaufnahme nach KA5
- Horizontbezogene Entnahme von 28 Mischproben
Die chemischen Untersuchungen des Probenmaterials werden zeigen, ob der Altlastenverdacht ausgeräumt werden kann. Andernfalls wird eine Detailuntersuchung erforderlich.



